Coming Home

Coming Home

Die Heimreise mit Schiff, Taxi und Zug war wie vermutet fast ebenso abenteuerlich wie die Radreise an sich. Die Problematik die mir schon im Vornhinein bekannt war, dass man in den Zügen in Rumänien und insbesondere im Nachtzug Bukarest-Wien das Rad nicht mitnehmen darf/kann (zumindest nicht zusammengebaut 😅) hat mich nicht abgehalten.

Die 2-stündige Fahrt mit dem Speed Boot von Sulina nach Tulcea war noch das ‚langweiligste‘ und gleichzeitig das bequemste der ganzen Rückreise.

Spannender wurde es dann schon von Tulcea nach Bukarest zu kommen. In Tulcea habe ich nachmittags bereits mein Rad verpackt. Dankenswerterweise hat mir ein Mountainbiker aus Tulcea den ich zufällig auf der Straße angesprochen habe eine passende Schachtel besorgt 🙏.

Das Rad war also schnell in der Schachtel verstaut. Die Herausforderung war es morgens vor 5 von der Unterkunft mit Karton und anderem Gepäck zum Bahnhof zu kommen. Aufgrund kleiner Sprachbarrieren wusste ich nicht ob mir die Taxizentrale tatsächlich einen Fahrer schickte. Glücklicherweise kam der Taxifahrer dann gerade rechtzeitig, als ich schon kurz vorm Verzweifeln war. Das Problem war jedoch, dass sein Kofferraum zu klein für die Schachtel war. Kurzerhand wurde die Schachtel mit einer Schnur am Dach befestigt.

5 Uhr Morgens: 10 Minuten vor der Abfahrt des Zugs – Paket aufs Dach😂

Den ersten Zug von Tulcea nach Medgidia habe ich also problemlos erreicht. Der Schaffner machte keine Faxen und ich platzierte den Karton ganz hinten im letzten Waggon. Was ich da noch nicht wusste war, dass wir mit offenen Türen fuhren 😂

Zugtüre?

Spannender wurde es im Zug von Medgidia nach Bukarest. Der Zug war heillos überfüllt – der Schaffner hatte richtig schlechte Laune. Ich durfte das Paket zwar mitnehmen, musste aber 2 Stunden daneben stehen bleiben – kein Problem für mich.

Richtig zäh wurde es dann aber erst in Bukarest – 3h Wartezeit bis zum Nachtzug Wien – Bukarest. Das Paket vom Bahnsteig in die Halle zu transportieren war die erste große Schwierigkeit . Es gibt zum Glück Menschen die gerne helfen – nur fragen muss man, von selbst hilft einem hier niemand. Drei Stunden also mit einem sperrigen Paket, dass ich nicht aus dem Augen lassen wollte und kaum wohin mitnehmen konnte. Auch hierfür gab’s eine Lösung. Eine betagte Dame die ebenfalls den selben Zug wie ich nahm und mir vertrauenswürdig erschien, habe ich gebeten auf mein Paket aufzupassen, während ich meine Notdurft verrichtete und mich mit Lebensmittel für die 19-stündige Zugfahrt versorgte. Später habe ich mich noch drei Stunden im Zug mit dieser Dame unterhalten bzw. eigentlich hat sie mich unterhalten. Ihre Lebensgeschichte war spannender als jede Netflixserie es je sein kann.

Im Nachtzug Wien-Bukarest habe ich ein Zweier-Abteil gebucht. Gemeinsam mit dem 80-jährigen rumänischen Chefkoch Costa, der eigentlich aus Griechenland kommt, aber in München lebt, seinem Hund und dem Rad haben wir die Zugfahrt im Abteil verbracht. Übrigens war der Schlafwagen luxuriöser als alles was ich bisher an Zügen benutzt habe. Wir hatten sogar Toilette und Dusche im Abteil (!). Für 110€ eigentlich sehr günstig.

Nachdem wir zweimal geweckt wurden, von rumänischen und ungarischen Grenzbeamten war eigentlich alles prima. Richtig unangenehm wurde es dann erst in Budapest. Normalerweise hätte es ein Zwischenhalt werden sollen, aber es wurde aus einem unerfindlichen Grund das Ende des Zuges. Wir mussten jedenfalls alle raus. Halb verschlafen stand ich also mit meinem riesigen Paket alleine am Bahnsteig in Budapest Keleti. Irgendwie habe ich es geschafft das Paket ohne Hilfe bis zur Bahnhofshalle zu bringen. Hier waren die Leute leider nicht sonderlich hilfsbereit. Eingestiegen bin ich in einen Railjet nach München. Da ich das Paket nicht mehr weiter schleppen wollte/konnte, bin ich gleich am Anfang in den Zug eingestiegen – 1. Klasse. Dorte wurde ich von einem sehr netten ungarischen Schaffner gleich mal richtig angefahren: in der ersten Klasse hätte ich mit meinem Ticket nichts verloren hab, das Paket versperre den Weg zum Feuerlöscher, es sei zu groß und dass man hier im Personen- und nicht im Güterzug sei. Mit dem Hinweis, dass ich mir diesen Zug nicht freiwillig ausgesucht habe und mein Paket nicht zurücklassen werde, schleppte ich mich in die zweite Klasse. Dort platzierte ich mein Paket nahe des Eingangs. Wenige Minuten später (wir waren noch nicht abgefahren) stand der Schaffner wieder da. Ich befürchtete schon das Schlimmste, aber diesmal meinte er es gut mit mir. Er zeigte mir einen Platz fürs Paket. Wieder wurde ein Feuerlöscher versperrt, aber jetzt schien das kein Problem mehr darzustellen. Der Zug rollte los – ein Stein fiel mir vom Herzen.

150€ habe ich mir für den Versand des Rades gespart –  aber es war schon ein eher anstrengendes Erlebnis. Alleine würde ich das Rad beim nächsten Mal wohl eher nach Hause schicken. Zu zweit ist es sicher einfacher mit dem Tragen und gegenseitigem aufpassen aufs Transportgut.

Nach fast 4 Wochen – 28 Stunden davon auf Heimreise, kann ich meine Elena endlich wieder in die Arme nehmen. Was für ein wunderbares Geburtstagsgeschenk! ❤️

Lieblingslieder auf der Reise:

  • I Follow Rivers – Lykke Li
  • Seaside – The Kooks
  • Reckoning Song (One Day) – Asaf Avidan
  • Hoch – Tim Bendzko
  • Take me Home, Country Roads – John Denver
  • Drunken Sailor – The Irish Rovers
  • Ocean – John Butler
  • Don’t take me Home – English Football Chants 😉 (nicht gehört nur selbst in Dauerschleife gesungen)

13 Gedanken zu „Coming Home

  1. Agnes brachte esbauf den Punkt!

    Schön, dass du deine Reise so toll geschafft hast!
    Eine Menge Schutzengel waren deine Begleiter, sowie viele gute Gedanken vieler Menschen!
    Ich bin dankbar, dass du wieder daheim bist!

  2. Dich heute zu fragen, wie deine Reise war erschien mir komischerweise garnicht nötig – vermutlich deshalb, weil ich jeden Tag deine Berichte gelesen habe und somit immer up to date war! Ich freute mich, dich (und Elena!) heute wohlauf und glücklich zu sehen ☺️🤍
    Ps.: beim Lesen des ein oder anderen Beitrags kullerte auch mal eine stolze-kleine-Schwester-Träne 🙊🙈

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