Country Roads

Country Roads

Heute war etwas die Luft draussen, nicht nur mal wieder bei meinem Vorderreifen sondern auch bei mir selbst. Die knapp 90 Kilometer von Konstanza nach Jurilovca waren körperlich und mental eine Herausforderung und das obwohl keine großen Höhenmeter dabei waren und die Meeresbrise aka Gegenwind erst die letzten 15 Kilometer heftig wurde.

Sehr schwer fiel mir der Abschied von meinem Gastgeber Chris. Seine Wohnung ist einfach unbeschreiblich – die Wohnung mit Meeresblick war ein absolutes Highlight.

Wenn ich gestern noch geschrieben habe, dass Investitionen im Zentrum von Konstanza notwendig wären, so weiß ich jetzt wo das ganze Geld in der Stadt tatsächlich hinfließt. Mamaia oder wie ich es gerne nenne, das St. Tropez Rumäniens, liegt nur wenige hundert Meter vom Zentrum Konstanza entfernt. Was ich dort zu Gesicht bekommen habe ließ mich aus dem Staunen nicht mehr rauskommen. Hotels und Wohnkomplexe so weit das Auge reicht. Nebeneinander schießen hier neue Gebäude aus dem Boden. Unvorstellbar wie viel gebaut wird. Für 60.000€ gibt’s angeblich Zweiraumwohnungen mit Meerblick. Eine mögliche Investition? Mit dem Nachtzug von Wien nach Bukarest in 18 Stunden und dann noch weitere 2 Stunden bis Konstanza. Ein Ersatz für Caorle, Grado & Lignano? 😅 Das Meer ist definitiv schöner hier.

Der nächste Platten kam heute überraschend früh. Langsam wirds eng mit dem Pickzeug. Hab nur noch ein Pickerl 😅. Dornen sind eindeutig mein größter Gegner auf dieser Reise.

Wie oben bereits geschrieben war es heute alles andere als einfach für mich. Die Beine waren richtig schwer. 20 km/h zu halten kam schon einer richtigen Überwindung gleich. Kaum zu glauben jedoch wie sehr ein Power Gel und ein Cola (zumindest kurzfristig) kicken 😅. Ohne diesem legalen Doping hätte ich die heutigen 89 km wahrscheinlich nicht vor Einbruch der Dunkelheit gepackt.

Markant für die Länder die ich befahren habe, aber wahrscheinlich gilt das ohnehin weltweit: wie ärmlich das Dorf auch sein mag, für ein überproportionales Gotteshaus sind die Ressourcen allemal vorhanden.

Das Ende dieser Etappe ist das kleine Fischerdorf Jurilovca. Ohne näheres über die Geschichte und die Bevölkerung des Dorfes Bescheid zu wissen war bereits bei der Fahrt durch das Dorf augenscheinlich, dass hier etwas anders ist als in anderen rumänischen Dörfern. Es war sehr sauber, ich habe keine baufälligen Häuser gesehen. Nach einem kurzen Gespräch (auf russisch 😉) am Dorfplatz mit drei Babushkas habe ich erfahren, dass das Dorf von Lipowanern gegründet wurde. Lipowaner sind eine russischsprachige Minderheit von Altgläubigen der russisch-orthodoxen Kirche die hauptsächlich in der Ukraine und im rumänischen Teil des Donaudeltas leben. Faszinierend für mich.

Heute ging mir der Song ‚Take me home, country roads‘ nicht aus dem Kopf. Ein Zeichen meines Unterbewusstsein, dass sich mein Abenteuer langsam dem Ende zuneigt? Wie dem auch sein, ich koste die Zeit die mir noch bleibt aus. Trotzdem freue mich jeden Tag mehr meine Liebste wieder in die Arme nehmen zu können.

12 Gedanken zu „Country Roads

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