Kein Tag für Genießer

Kein Tag für Genießer

Gravel Slovakia Tag 2

Lief gestern noch alles wie im Schnürchen, war heute alles anders. Dennoch für alle Problemchen gab es eine Lösung.

Tag 2.

Gestern hab ich mir vorm schlafen nochmal die heutige Tour angeschaut und im Übereifer gezweifelt ob die heutigen 75 km nicht zu kurz wären. Eindeutig falsch gedacht. Es war mehr als genug.

Morgens aufgewacht mit viel Elan. Mein Körper hat die gestrige Anstrengung doch überraschend gut weggesteckt. Gefrühstückt und los.

Dann der erste Rückschlag. Gleich beim losradeln hat Regen eingesetzt. Dieser sollte aber nicht meine einzige Herausforderung des Tages bleiben.

Raus aus Poprad über Umwege wegen Baustelle und Straßen mit viel Verkehr. Kilometer 8, als es endlich wieder abseits von Asphalt weiterging der nächste Rückschlag – Platten. Mittlerweile war der Regen wieder weniger geworden aber genau als es zum Tauschen des Schlauchs kam, zog wieder ein heftiger Schauer über mich. Dem nicht genug. Aus eigenem Unvermögen habe ich es nicht auf die Reihe bekommen den Mantel des Reifens auf die Felgen bekommen. Leichte Verzweiflung machte sich breit. Mitten im Regen, irgendwo in der Pampa und keine Möglichkeit jemanden nach Hilfe zu fragen.

Patschen im ☔️

Zumindest Internet gab es und so machte ich den nächsten Bahnhof aus.  Rad zum Bahnhof geschoben und von dort ging es dann mit dem Zug 5 km  zurück nach Poprad. Aber erstmal hieß es warten, denn Züge fahren hier nur alle paar Stunden und Verspätung hatte der auch noch.

Bahnhof Ganovce – warten

Zurück in Poprad fand ich einen Radshop der mir im Handumdrehen aus meiner misslichen (und für einen erfahrenen Radfahrer wohl auch peinlichen) Lage half.

Rad gefixed und gegen Mittag hieß es dann Neustart. Mittlerweile war auch das Wetter zumindest kurzzeitig wieder akzeptabel und so machte ich mich auf in Richtung Nationalpark Národný park Slovenský raj – zu deutsch ‚Slowakisches Paradies‘. Vorab: ich konnte das Paradies leider nicht allzu genießen.

Dedinky

Zunächst ein kilometerlanger Anstieg der mir alles abverlangte. Der wieder einsetzende Regen tat das seine.

Den Anstieg geschafft ging es weiter auf Forstwegen durch Wälder. Ich kam aufgrund des Untergrunds, ein Wechsel aus Wiesen, Lacken und Steinen kaum vorwärts.

Wo ist der Weg?

Irgendwann war ich dann wieder draußen aus diesem Labyrinth namens Paradies, aber körperlich trotz geringer Kilometerleistung dem Ende nahe.

Ich habe dann die Route geändert um auf schnellstem Wege mein Tagesziel zu erreichen.

Dann der nächste heftige Schauer. Schnell habe ich Unterstand gesucht und gewartet. Die Intensität dieses Regens ließ mich ernsthaft zweifeln ob an ein weiterfahren heute überhaupt noch zu denken ist.  Als auch dieser Regenguss weiterzog machte ich mich auf die letzten 25 km – nur noch Asphalt. Ein rücksichtsloser Autofahrer hat mir dann noch beim Vorbeifahren eine schöne Dusche verpasst, damit war dann wieder alles pitschnass und die Stimmung im Eimer.

Das letzte negative Highlight war dann 5 km vorm eigentlichen Tagesziel Rožnava. Wieder ein Platten am Vordereifen. Ich hatte sowas von keine Lust mehr weiterzufahren. Der Tage war schon dermaßen mental und körerperlich anstrengend gewesen, dass ich einfach das Rad in die nächstbeste Pension schob und den Radtag für beendet erklärte.

Den Reifen habe ich dann zwar selbst wieder hinbekommen, aber der wieder einsetzende Starkregen und dessen Fortsetzung morgen lassen Zweifel am Tourziel in Košice aufkommen.

Vielleicht liegt die Stärke auch mal darin zu erkennen wann Schluss ist.

Ein Gedanke zu „Kein Tag für Genießer

  1. Wow Jacob, was für ein Tag… Aber du hast auch diese Etappe trotz der vielen Rückschläge wieder gemeistert. Bin gespannt, wie du dich an Tag 3 entscheidest.

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