Košice

Košice

(Kein) Gravel Slovakia Tag 3/4

Es wollte einfach nicht sein. Die Nacht hat es durchgeregnet und das Fünkchen Hoffnung dass ich auf Besserung der Wetterlage hatte wurde nicht Realität.

Schweren Herzens musste ich mir eingestehen, dass die heutige Fahrt  zum Ziel dieser Reise unter diesen Bedingungen kein Sinn macht. Die Frage war, gleich auf direktem Weg mit dem Zug zurück in die Heimat zu fahren oder Košice mit dem zum Zug zu erreichen und das Ziel dennoch zu sehen. Ich wollte mir diese Stadt einfach nicht entgehen lassen.

Also morgens nocheinmal rein in die Radklamotten und bei Regen die 10 km zum nächsten Bahnhof in Rožnava geradelt. Von dort ging es mit Bus (Schienenersatzverkehr) und Zug nach Košice.

Košice ist die zweitgrößte Stadt der Slowakei. Hier im Osten des Landes sind es nur 20 km bis zur ungarischen Grenze, aber auch nur noch 90 km bis in die Ukraine.

Das Stadtzentrum besticht durch eine schöne Altstadt mit viel Architektur aus der k.u.k. Zeit.

Ich genoss den Tag damit durch die Innendtadt zu flanieren und mich nach der Anstrengung der letzten beiden Tage zu erholen.

Kommt man etwas außerhalb des Stadtzentrum, dann sieht man den Kontrast zur Innenstadt. Brutalistische sozialistische Ostblockarchitektur.

Und dann gibt es da noch Lunik IX. Ein Elendsviertel der Stadt in dem ausschließlich Roma leben. Ursprünglich für 2.500 Bewohner konzipiert, leben dort schätzungsweise 6.000 Menschen. Ein Großteil davon Kinder. Auch wenn des großen Müllproblems Herr geworden zu sein scheint sind die Häuser in desolatem Zustand. Erschreckend, dass es in der EU immer noch Orte gibt an denen solche Zustände herrschen.

Lunik IX

Fährt man ein Stück weiter wird die Wohnsituation der Menschen noch schlimmer. Menschen leben in selbst gebauten Hütten, ohne Wasser und Stromversorgung.

Im Internet gibt es viel über das Viertel zu lesen, ich wollte mit eigenen Augen sehen wie schlimm die Zustände dort sind. Es dürfte sich für die Menschen dort in den letzten Jahren einiges verbessert haben, auch durch die Arbeit den Don Bosco Ordens vor Ort. Selbst Papst Franziskus besuchte 2021 das Viertel.

Dennoch die Armut, Perspektivlosigkeit, und sozialen Probleme sind offensichtlich. Insbesondere die verarmten Kinder auf der Straße zu sehen war erschrenkend und hat mich tief betroffen.

Ich mache mich auf den Weg zurück in die Heimat. Die Bilder von Lunik IX  bleiben im Kopf und zugleich relativieren sie die eigenen Probleme, Sorgen und Herausforderungen. Im Vergleich womit die Leute hier zu kämpfen haben, habe ich eigentlich gar keine Probleme. Viel zu oft vergesse ich im Alltag wie privilegiert ich bin. Mit einer Wohnung, einer Ausbildung, Einkommen und einem extrem hohen Lebensstandard. Ich lasse Košice hinter mir und bin gefühlt ein wenig dankbarer und demütiger für mein eigenes Leben.

Ein Gedanke zu „Košice

  1. Hi, Jacob. Thank You very much for Your sharing, and different perspective of nature Vs city; success Vs failing.
    Happy that You find strength to move forward!

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