Sulina – 2.497 km

Sulina – 2.497 km

Einmal abgesehen von der vermutlich abenteuerlichen Rückreise mit Zug und Rad, habe ich heute meine allerletzte Etappe der Reise bestritten.

Mein zweiter Blogbeitrag ‚Reiseziel‘ widmete sich bereits der Stadt Sulina. Ein paar Infos zur Stadt gibt’s dort nachzulesen.

Sulina

Die 4 1/2 stündige Fahrt mit dem Schiff von Tulcea nach Sulina war schon ein Abenteuer an sich. Die Fähre ist das Haupttransportmittel für die Menschen im Delta. Neben Sulina gibt es noch einige weitere abgelegene Ortschaften die nur per Schiff erreichbar sind. Abgesehen von den 80 Personen die heute an Bord waren und an unterschiedlichen Orten das Schiff verließen, werden auch Waren des täglichen Gebrauchs mittransportiert. Bei meiner Reise 2019 waren sogar lebende Hühner an Bord. Diesmal waren ’nur‘ Geschirrspüler, Kühlschränke und Fenster die Attraktion. Für einige Passagiere ist die lange Fahrt ein Grund für übermäßigen Alkohol- und Tabakkonsum, ich genieße die Fahrt lieber nüchtern und beobachte die unzähligen Angler am Ufer und auf den Booten.

Kommandobrücke

Die Menschen im Delta leben hauptsächlich von Landwirtschaft, Fischfang und Tourismus. Die Ruhe und die Abgelegenheit mag für viele unerträglich erscheinen, deswegen ziehen viele Junge in die Städte oder gleich ins Ausland. Ich fühle mich hier ein paar Jahrzehnte in die Vergangenheit versetzt, es fühlt sich so an als würden die Uhren langsamer drehen. Für mich macht gerade das (und natürlich die unglaublich schöne Natur) diesen Ort aus, aber ich muss ja auch nicht dauerhaft hier leben.

Das Donaudelta ist ein etwa 5.000 Quadratkilometer großes Naturgebiet welches zum UNESCO Weltnaturerbe gehört. Die tausenden natürlichen Kanäle bilden ein Labyrinth welches nur durch ein paar für die gewerbliche Schifffahrt künstliche Kanäle verändert wurde. Im Norden des Deltas grenzt die Ukraine. Von Sulina zur nächsten ukrainischen Siedlung sind es nur 27 km.

Der Pelikan ist das Symbol des Deltas. Hier gibt es die größten Kolonien dieses schönen Vogels in Europa. Daneben ist das Delta auch für zahlreiche andere Vogelarten ein wahres Paradies. Für mich als Angler ist natürlich das Delta aufgrund seiner Fischvielfalt besonders interessant. Auch wenn ich hier nicht angle bin ich fasziniert von der Bedeutung welche die Fische der Donau hier haben. Wie schon auf der gesamten Reise genieße ich den leckeren Fisch aus der Donau. Karpfen, Welse, Karauschen, Barsche, Zander und Rotaugen um nur ein paar zu nennen die ich hier kostengünstig, frisch und natürlich aus Wildfang verspeist habe.

Nur den Stör lasse ich diesmal weg. Dieser majestätische Fisch ist geschützt, findet sich aber trotzdem leider oft auf der Speisekarte.

Ich habe es endlich geschafft. Nach meiner Ankunft in Sulina habe ich erstmal eine kurze Fahrt durch die Stadt unternommen um zu sehen was sich in den letzten drei Jahren hier getan hat. Ein klein wenig Fortschritt war dann doch zu erkennen. Lange wollte ich mich aber nicht in der Stadt aufhalten, mein Ziel der Strand. Auch wenn ich das Ziel mit Rad am Strand von Sulina zu stehen immer visualisiert habe, so ging es bei dieser Reise keinesfalls nur um das Ankommen, aber das dürfte beim Lesen dieses Blogs ohnehin klar sein.

Also, jetzt war es endlich so weit, ich war angekommen. Die letzten Meter musste ich das Rad durch den Strand schieben. Ich hatte Gänsehaut und war kurz vor den Freudentränen. Ein extrem emotionaler Moment für mich, den ich wahrscheinlich auch nie so vergessen werde. Es war genauso wie ich ihn mir hunderte Male im inneren Auge vorgestellt habe – vielleicht sogar noch ein bisschen schöner. Das Wetter war einfach perfekt.

Ich war fast alleine am Strand und natürlich konnte ich es mir nicht nehmen lassen in das zugegebenerweise ziemlich kalte Schwarze Meer zu springen.

Für einen dort anwesenden Lehrer einer englischen Schule aus Bukarest war meine Nacktheit wohl zuviel und trotz erheblichem (schätzungsweise 100 Meter) Abstand zu seinen Schülern bat er mich, dass ich mich bekleiden solle 😂. Ich konnte es eigentlich gar nicht fassen, dass er sich auf einem leeren Strand so etwas zu sagen traute, entfernte mich dann aber doch noch weitere hundert Meter.

Der Sonnenuntergang am Plaja Sulina war atemberaubend schön.

Heute habe ich dank Mario eine sehr nette Gastgeberin in Sulina. Er hat mir eine Unterkunft bei der Schwiegermutter einer Mitarbeiterin organisiert. Zum Abendessen bin ich eingeladen Fischsuppe mit den sehr gastfreundlichen Babushkas zu genießen. Auch wenn die Kommunikation nur dank Onkel Google funktioniert, so fühlt es sich richtig herzlich an.

Veronika, Valentina und Kati

Falls es mir in absehbarer Zeit gelingt (als derzeit Arbeitsloser sollte sich das ausgehen) meinen GoPro Inhalt zusammenzuschneiden, so werde ich das Video natürlich auch auf diesem Blog verlinken.

Zusammenfassend werde ich noch meine Erkenntnisse was das Radreisen allgemein betrifft in einem späteren Beitrag teilen. Vielleicht hilft es jemand für sein eigenes Abenteuer. Meine Radtaschen jedenfalls verborge ich sehr gerne an Abenteuerlustige weiter.

27 Gedanken zu „Sulina – 2.497 km

  1. Super Jacob! 👏Du kannst so unfassbar stolz auf dich sein. Ein Erlebnis, welches du immer in deinem Herzen tragen wirst. Komm gut nach Hause und bis hoffentlich ganz bald 🙂

  2. Übrigens habe ich eine Idee für dich gespart, aber, glaube ich, hast du dazu selbst gekommen. So habe ich aus deinem letzten Bericht verstanden

  3. Jacob! You are awesome!
    Great Job!
    Thank You for sharing with us such a big part of Your life!
    İts really strong and powerful exam, which You passed perfectly!
    Have a fast and enjoyable physical recovery, and safety way to home!

    1. Hello David,
      I am honoured that you followed my journey via this Blog, even though its in german.
      Thank you for your kind words, i do appreaciate it.
      Alle the best for your ‚adventure‘ in turkey!

  4. Hallo Jakob,

    Glückwunsch zu dieser tollen Leistung! Hut ab.
    Ich habe deinen Blog immer mit Begeisterung gelesen. Er ist wirklich super geschrieben!
    Bin schon gespannt wohin dich dein beruflicher Weg noch führen wird.
    Wünsche dir schon mal alles Gute für die bevorstehende Hochzeit!
    Grüsse aus Wien! Solo Viola!
    Florian

  5. Gratuliere Jacob.

    Schade, dass der Blog nicht weitergeht – vielleicht doch?

    Auf jeden Fall ein Riesenerlebnis und Motivation für andere so etwas zu machen.

  6. Hej Bro,

    hab jetzt nicht jeden Tag hier kommentiert, aber sei dir sicher das ich jeden Tagesbericht verschlungen habe.

    Wann mach ma an Angeltrip ins Donaudelta? 😛

    G

  7. Super Jacob, du hast es geschafft! Herzlichen Glückwunsch! Hatte aber auch nie einen Zweifel daran. Der Blog war auch immer super geschrieben. Hab mich jeden Tag auf den neuen Bericht gefreut. Wünsch dir noch eine gute Heimreise!

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