Vukovar

Vukovar

Was für ein wunderbarer Tag auf meiner Reise. Ich habe das vierte Land auf meinem Trip erreicht. Schöne Städte, eine reibungslose Fahrt, super Wetter und herzliche Gastgeber – Mehr kann ich mir nicht wünschen.

Nach 10 Kilometer habe ich die kroatische Grenze erreicht. Als Radfahrer ist man zumindest hier beim Grenzübertritt nicht privilegiert und so musste ich mich für die Ausreise aus Ungarn hinter den Autos anstellen. Die Landschaft hat sich im Vergleich zu Ungarn nur leicht verändert, es gibt ein paar mehr Hügel, aber größenteils verlief die Strecke flach und auf Landstraßen. Der Fahrstil mancher Auto und LKW Fahrer bereitet mir etwas Sorgen und ließ mich das eine oder andere Mal fluchen. Fast schon neidisch Blicke ich im vorbeifahren in die vielen kleinen Gemüsegärten die gerade voller roter Chilis und Tomaten sind. Kroatien wird nur ein kurzes Gastspiel für mich sein.

Zwischenhalt auf meiner Fahrt nach Vukovar habe ich in Osijek gemacht. Die viertgrößte Stadt Kroatiens ist das Zentrum der Region Slawonien. Eine aus meiner Sicht zu Unrecht wenig bekannte Stadt. Die Drau mündet in der Nähe der Stadt in die Donau. Eine Festung aus der Habsburger Zeit ist nur eine der Sehenswürdigkeiten. Die Peter und Paul Kathedrale ist eine weiteres Highlight der Stadt.

Kathedrale in Osijek

Nur einmal schoss mein Adrenalinspiegel heute in die Höhe. Bei der Durchfahrt eines Dorfes wurde ich plötzlich von einem bellenden Hund verfolgt. Ich spürte bereits seine Haare an meiner Wade. Glücklicherweise wurde er zurückgepfiffen. Ob er zugebissen hätte oder nicht kann ich nicht sagen, aber ich war auf jeden Fall danach ziemlich verängstigt.

Mein Tagesziel ist Vukovar. Die Stadt an der Donau hat traurige Bekanntheit im Jugoslawienkrieg erlangt. Drei Monate wurde die Stadt durch die jugoslawische Volksarmee belagert bevor sie endgültig eingenommen wurde. Nach Ende der Schacht wurden hier ethnische Säuberungen durchgeführt. Beim einem Massaker sind über 250 Zivilisten und Kriegsgefangene aus dem Krankenhaus von Vukovar ermordet worden. Neben den Gedenkstätten zeugen beschädigte Gebäude auch 31 Jahre nach dem Kampf noch von dem Grauen der hier passiert ist.

Besonders herzlich wurde ich von meinen Gastgebern begrüßt. Ich bin Gast bei Familie Stojanovic, die mich heute liebevoll aufgenommen haben. Die Eltern von meinem SCM Studienkollegen und Freund Domagoj stammen aus Vukovar und verbringen die Sommer in ihrem Haus hier. Den Rest des Jahres leben sie in Regensburg – wo ich ebenfalls bereits Gast sein durfte. Danke an dieser Stelle an Domagoj ❤️

Eine schöne Anekdote des heutigen Tages: ich war in Osijek in einem Cafe. Ich wollte mit Karte bezahlen, weil ich keine Kunar gewechselt bzw. abgehoben habe. Leider war hier nur Barzahlung möchte. Der Chef meinte dann mit Augenzwinkern ‚Tomorrow“, als ich ihm sagt dass ich morgen schon in Serbien sein werde sagte er „OK then never“ und wünschte mir eine gute Fahrt. Solche kleinen Dinge erwärmen mein Herz, auch wenn ich den Espresso sehr gerne bezahlt hätte.

15 Gedanken zu „Vukovar

  1. Hi Jacob
    Ich finde deine Reiseberichte einfach toll und echt spannend. Und deine positiven Erlebnisse mit den Menschen bestätigen mich in meiner Meinung, dass die menschliche Rasse noch nicht komplett dem Untergang geweiht ist! 😉
    Wünsche dir noch viel Spaß und viele schöne und glückliche Momente auf deiner weiteren Reise, liebe Grüße Christian

  2. Lieber Jacob,
    die letzten Tage war ich etwas im Verzug mit dem Lesen deiner Blogeinträge, dafür habe ich jetzt alles aufgeholt. Ich freue mich, dass es dir gut geht und dir so viele schöne und vor allem positive Erlebnisse widerfahren. Mit der Hundestory hast du ja jetzt ein ganz ähnliches Erlebnis als dein Papa 😉
    Ich denke ganz oft an dich 🤍

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