Mohacs

Mohacs

Nachdem Kampf gestern, heute eine etwas einfachere, ruhigere Tour. Auch diesmal beschäftigt mich etwas kriegerisches, diesmal eine Schlacht, die Gott sei Dank nicht meine ist, sondern die der Ungarn vor 500 Jahren in Mohacs.

Ich bin im südlichsten Ungarn nahe der kroatischen und serbischen Grenze angelangt. Die Strecke von Kalocsa nach Mohacs beträgt ’nur‘ 80 km – somit war ich bereits am frühen Nachmittag angekommen. Spoiler: dieser Beitrag wird wieder eine Geschichtslexikon.

Zuerst aber zum heutigen Weg. Die Route von Budapest entlang der Donau verläuft mehr oder weniger gerade Richtung Süden. Andere Radfahrer mit Gepäck trifft man kaum noch und wenn dann versuche ich immer gleich ins Gespräch zu kommen. So zB heute mit Hermann aus den Niederlanden der nach einer 3-monatigen Radfahrt quer durch Europa am Weg zurück nach Amsterdam ist. Er hat genug von den Bergetappen des Balkans und nimmt lieber den Bus von Budapest nach Paris um von dort nach Hause zu radeln. Oder die liebe Neven aus Szeged die 2 Wochen mit dem Rad durch Ungarn fährt. Die Programmiererin ist selbst auch erstmals alleine mehrtägig unterwegs. Dabei erfährt man so kuriose Fakten wie, dass ihr Arbeitgeber Nokia in Budapest 20.000 (!) Leute beschäftigt – und nein sie machen da keine Handys 😄

Memorial Mohacs

Mohacs – Schauplatz zweier historischer Schlachten. Beide Male standen einander Osmanen und mitteleuropäische Mächte gegenüber. Für die ungarische Geschichte signifikantere Bedeutung hat Schlacht von Mohacs im Jahr 1526. Die vernichtende Niederlage des ungarischen Königs gegen die von Konstantinopel vordringenden Osmanen in Mohacs hat sich in das historische Gedächtnis Ungarns gebrannt. Nicht nur, dass ca. 18.000 Soldaten auf ungarischer Seite ums Leben kamen, sondern bedeutete es zugleich das Ende des unabhängigen ungarischen Königreichs. Es folgte eine Teilung des Landes und 150 Jahre osmanische Besatzung. Das Ende dieser wurde ebenfalls mit einer Schlacht nahe Mohacs besiegelt. Ausgehend von der gescheiterten Einnahme Wiens wurden die Osmanen durch kaiserliche Truppen immer weiter zurückgedrängt und in Mohacs in einer Schlacht besiegt. Die Folge davon war, dass Ungarn zum Erbreich der Habsburger wurde. Der Rest ist Teil einer anderen Geschichte.

Die Gedenkstätte der Niederlage Ungarns gegen die Osmanen ließ mich nachdenklich zurück. Auch wenn dies schon fast 500 Jahre zurück liegt, denke ich an die vielen unschuldigen Toten die hier auf den Feldern von Mohacs begraben sind. Ich denke an die Ukraine und bete für alle unschuldig Beteiligten.

Morgen geht es für mich mit einem Abstecher nach Kroatien weiter.

15 Gedanken zu „Mohacs

  1. Danke, Jacob, für interessante Berichte. Und die Leute, die du unterwegs begegnest, die reisen auch bestimmt um sich selbst kennen zu lernen. Aber Glück ist kein Ort und Reisen macht süchtig.
    Und wenn an Geschichte denken, es gibt bestimmt keinen Stück Erde ohne Blutflecken. Aber das ist schon anderes Thema.
    Mach weiter so, mein (schwieger) Sohn, viel Glück dir unterwegs.

  2. Danke J für die Einblicke in die ungarische Geschichte – will mir gar nicht vorstellen wie Europa ausgesehen hätte wenn Wien 1683 gefallen wäre.

    Aber bei einem muss ich dir widersprechen mein Freund:
    Gebete helfen den Ukrainern bestimmt nicht!

    Freue mich schon auf unseren nächsten Gedankenaustausch, face to face 🙂

    Your Bro
    G

  3. Habe für dich zwei schöne Zitate gefunden 🙂 „Reisen bedeutet Grenzen zu überschreiten, auch die eigenen.“
    Wanda Rezat
    Unbeschreiblich toll deinen Weg zu verfolgen. Wünsche dir heute eine schöne Reise nach Kroatien.

    Und auf viele tolle Erfahrungen, Bekannschaften und Erkenntnisse 💜
    „Desto weiter ich reise, desto näher komme ich an mich heran.“ ~ Andrew McCarthy

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